Gedankenscherben und Ideensplitter

Ich mag dazu gezwungen sein, durch Steuern und Gebühren auch die Projekte zu finanzieren, die mir vollkommen unsinnig oder nutzlos erscheinen. Doch ich bin und bleibe frei, diese Projekte wahlweise falsch, unangemessen oder albern zu finden. Ich kann nicht dazu gezwungen werden, diese Projekte für sinnvoll oder nützlich zu halten. Ich mag dazu verurteilt sein, durch Zwangsabgaben die Herstellung und Aufrechterhaltung einer veröffentlichen Meinung zu finanzieren, die ich nicht teile.
Es waren soundso viele, keinesfalls mehr. Alle haben sie sich unverantwortlich verhalten. Alle denken sie falsche Sachen. Alle sind sie durch krude Thesen verführt und vom richtigen Weg abgekommen. Alle waren sie gewaltbereit und in gereizter Stimmung. Sie alle erkennen nicht, was wahr ist, leugnen die Fakten und wollen diesen Staat zerstören. Sie alle sind böse, sie alle sind Gegner. Sie müssen bekämpft werden, sie dürfen kein Gehör finden bei denen, die das Richtige noch denken. Sie...
Wenn 17.000 oder 20.000 Menschen eine solche Atmosphäre schaffen, dann sind das wohl genug. Wenn 17.000 oder 20.000 Menschen das bewirken, dann reicht es vollends aus. Wenn 17.000 oder 20.000 Menschen diese Strahlkraft haben, dann ist weniger vielleicht mehr.
Ach, wie sie sich wieder auf allen Seiten aufplustern. Wie sie ihr Wunschdenken zur Meldung machen und sich damit der Lächerlichkeit preisgeben. Die einen blasen sich auf wie Kugelfische und die anderen versuchen verzweifelt, aus dem Elefanten eine Mückenlarve zu kreieren. Does size matter? Augenscheinlich schon. Sonst würden ja nicht die einen maßlos übertreiben und die anderen vollkommen unglaubwürdig kleinreden.
Manchmal können wir noch so genau hinsehen und erkennen doch nicht, was da ist. Manchmal sehen wir den Wald nicht, weil wir vor den Baum gelaufen sind. Manchmal erkennen wir Strukturen nicht, weil die Details uns ablenken.
Will ich ein Argument in Frage stellen, muss ich das Argument kennen. Um ein Indiz zu entkräften, muss ich es einordnen und bewerten können. Um eine Beweisführung zu widerlegen, muss ich sie verstehen und nachvollziehen können. Wenn ich eine Behauptung und ihre Herleitung verstehen will, muss ich zuhören. Ich muss hören, was die Gegenseite sagt, muss erkennen, was sie meint und nachvollziehen, wie die Behauptung entsteht.
Wenn die jeweils andere Seite etwas behauptet, das so nicht stimmt, das eine Halbwahrheit, eine Lüge oder gar eine Verschwörungstheorie ist, dann könnte man das mit Argumenten entkräften. Man könnte dann Indizien oder Beweise vorlegen, Zusammenhänge aufklären, Zeugen benennen oder fachkundige und unabhängige Gutachter hören. Wenn es Unsinn wäre, was da behauptet wird, dann sollte es ein Leichtes sein, diesen Unsinn aus der Welt zu bringen.
Wenn eine Lüge als Grundlage für eine Geschichte dienen muss, kann auf dieser Basis nichts Wahres entstehen. Ob in Familien, Dörfern, Unternehmen oder Gesellschaften - die Lüge ist niemals ein tragfähiges Fundament. Manchmal scheint eine Lüge lange zu tragen, aber immer stürzen die auf ihr basierenden Konstrukte zusammen. Früher oder später. Immer. Am Ende kann die Lüge das Gewicht der Wahrheit nicht tragen.
Ich wünsche mir, dass sich meine Werte, meine Maßstäbe und meine Ideale in meinen Worten und in meinen Taten ausdrücken. Ich wünsche mir, dass meine Vorstellungen davon, wie Menschen zusammenleben sollten, in meinem Verhalten zum Ausdruck kommt. Ich wünsche mir, dass ich mir treu bleiben kann und bemerkte, wenn mir das nicht oder nur teilweise gelingt.
Lichtenberg soll es gesagt haben: "Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll." Das bedeutet, dass wir, wenn wir etwas verbessern wollen, in jedem Fall etwas verändern müssen. Es bedeutet nicht, dass man alles zerstören muss, um etwas zu verbessern, denn dann wäre ja nichts mehr da, um es zu verändern.

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