Gedankenscherben und Ideensplitter

Lichtenberg soll es gesagt haben: "Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll." Das bedeutet, dass wir, wenn wir etwas verbessern wollen, in jedem Fall etwas verändern müssen. Es bedeutet nicht, dass man alles zerstören muss, um etwas zu verbessern, denn dann wäre ja nichts mehr da, um es zu verändern.
Kinder müssen wir vielleicht in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Entwicklung und der aktuellen Situation gelegentlich bevormunden, das lässt sich möglicherweise nicht völlig vermeiden. Erwachsene bevormunden zu wollen, lässt auf eine bestimmte Geisteshaltung schließen. Denn wer Andere bevormunden will, denkt entweder, er hätte es mit Kindern zu tun, oder mit Erwachsenen, die - warum auch immer - wie Kinder zu behandeln wären.
Hinter dem Wissen beginnt der Glaube. Dort wo unser Wissen endet, entsteht ein Vakuum, das befüllt werden möchte. Wir wollen keine leeren Räume hinter dem Wissen, wir möchten sie auffüllen, weil es sich sonst irgendwie nicht bequem, sondern unsicher und fragil anfühlt. Zu wissen oder der Glaube, etwas zu wissen, beruhigt uns und stabilisiert.
Wenn es aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente und watschelt wie eine Ente, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit eine Ente. Wenn alle sagen, es wäre ein Eichhörnchen, weil es aussieht, watschelt und quakt wie eine Ente, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es ist tatsächlich ein Eichhörnchen oder es ist eine Ente.
Propaganda ist Propaganda. Wenn Propaganda Propaganda ist, sollte sie auch Propaganda genannt werden. So wie ein Lastwagen immer ein Lastwagen ist - egal ob er Kies oder Kohle befördert - ist auch Propaganda ein Vehikel, das unabhängig von der zu transportierenden Ladung als Vehikel benannt werden sollte - und zwar vollkommen unabhängig von der damit verbreiteten Weltanschauung.
Wenn der Kaiser nackt ist, ist der Kaiser nackt. Nur wer meint, aus bestimmten Gründen die neuen Kleider sehen zu müssen, wird hoffen, dass alle anderen - wie der Kaiser - dumm genug oder - wie seine Hofschranzen - dreist genug sind, dem Betrug durch begeisterten Applaus seine Unterstützung nicht zu verweigern. Denn was wäre gewonnen, wenn der Schwindel aufflöge?
Eine Gruppe von Menschen lässt sich bis zu einer bestimmten Entwicklung - das weiß ich aus eigener Erfahrung - sehr gut in Harmonie und Eintracht leiten. Ein kleines Unternehmen oder ein Sportverein hat oft gleichlautende Ziele und Erwartungen aller Beteiligten als Basis für gemeinsame Interessen. Auch Völker und Nationen können so ihren Zusammenhalt finden. Wenn diese Basis innerhalb einer Hierarchie-Ebene allerdings zu stark und deshalb zu einer Bedrohung für die höheren...
Wenn ein allgemeingültiger Grundsatz akzeptiert werden soll, dann muss er allgemeingültig bleiben. Wenn z.B. ganz plötzlich rund ein Viertel der Äpfel vom Baum nach oben fallen würden, wäre das Naturgesetz der Schwerkraft wohl kaum noch sinnvoll anzuwenden. Das Prinzip wäre keines mehr, es gäbe zu viele Ausnahmen. Ganz ähnlich verhält es sich in unseren Gesellschaften. Wenn ein allgemeingültiger Grundsatz anerkannt und beachtet und geschützt werden soll, dann muss er für alle...
Ich bemühe mich um ein möglichst wenig widersprüchliches Denken und Verhalten, weil ich festgestellt habe, dass Inkonsistenz mich unglücklich macht. Wenn andere Menschen sich nicht konsistent verhalten oder ich selbst nicht konsistent denke oder handele, erzeugt das immer Unwohlsein in mir. Dazu gehören Ungerechtigkeit und Unfairness, Korruption, Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme, aber auch Bigotterie, Doppelmoral und das Messen mit zweierlei Maß. Inkonsistenz kommt in unzählig vielen...
Unsere innere Freiheit bleibt uns. Viktor E. Frankl hat es so beeindruckend geschildert: Wir alle können uns, auch unter den extremsten äußeren Bedingungen, so oder so positionieren - und wenn es auch nur im Innersten ist und wenn es auch nur im Innersten Wirkung entfalten kann. Diese letzte aller menschlichen Freiheiten kann uns nicht genommen werden - wenn wir das einmal erkannt haben und spüren, dass wir unter allen Umständen die Wahl haben, uns auf die eine oder auf die andere Art zu...

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