Nichtwissen

Juristen bestreiten mit Nichtwissen, wenn sie einer Tatsachenbehauptung widersprechen wollen, ohne selbst zu wissen, was tatsächlich ist. Das ist die in der Zivilprozessordnung eingeräumte Möglichkeit, die Aussage der Gegenseite anzuzweifeln, ohne selbst Kenntnis darüber zu haben, was passiert ist. Anderenfalls würde das Gericht die bislang nur behauptete Tasache als zugestanden verstehen.

 

Ausserhalb des Gerichtssaals würde man hier wohl von Anzweifeln sprechen, von der Aufforderung, die Tatsachenbeauptung zu belegen, konkretes Bestreiten ist ja nur mit Wissen möglich.

 

Ich bestreite gern und häufig mit Nichtwissen, ich zweifle gern und häufig. Denn dadurch ermögliche ich (mir), innezuhalten, nachzudenken, nachzuforschen. Zu überlegen und zu prüfen.

 

Dabei kommt nicht immer heraus, was tatsächlich ist. Aber fast immer wird klarer, was unzutreffend sein könnte, was wahrscheinlicher ist und worauf es ankommt. Irrtümer, Denkfehler, Glaubenssätze, irrationale Gedanken und Überzeugungen treten nicht selten zutage durch aktives Nichtwissen.

 

Wenn ich mir bewusst darüber bin, nicht zu wissen, bin ich offen für Argumente, Ideen, Eindrücke und das Wechseln der Perspektive.

 

Wenn ich mir erlaube, etwas nicht zu wissen, muss ich auch nicht bestehen auf ein Wissen, das vielleicht nur Glaube ist.

 

Manchmal ist es nicht leicht, nicht zu wissen.


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