Irrtum

Ich habe mich bewusst dazu entschieden, mich irren zu dürfen. Seit dieser Entscheidung fällt es mir ganz leicht zu sagen, dass ich mit einer Einschätzung falsch lag oder dass ich mich trotz großer Mühe, alles bedacht zu haben, getäuscht habe.

 

Wenn jemand sich erlaubt, falsch zu liegen, ist er offen für neue Erkenntnisse, für genauere Daten oder für Wissen, das bisher nicht zugänglich war. Wer sich Irrtümer und Fehler zugesteht, kann optimal reagieren, wenn sich andere Blickwinkel eröffnen oder bessere Argumente auftauchen.

 

Wer sich bewusst wird darüber, dass Menschen sich irren (dürfen), bekommt eine Ahnung davon, wie zerbrechlich die Standpunkte, Meinungen und Überzeugungen von uns Menschen eigentlich sein sollten.

Wer Irrtümer und Fehleinschätzungen nicht zugestehen mag, der wird dazu neigen, sich selbst nicht zu korrigieren - auch dann nicht, wenn es bessere Argumente, neue Erkenntnisse oder genauere Daten geben sollte.

 

Jemand der sich nicht erlaubt zu irren, wird dazu neigen, auf seine Überzeugungen zu beharren und vielleicht auch lügen, um einen Irrtum nicht zugeben zu müssen.

 

Jemand der keine Fehler machen oder zugeben will, wird dazu neigen, zu täuschen, zu verschleiern, zu leugnen, abzulenken, zu moralisieren, zu ächten, zu verbieten, auszugrenzen, zu beleidigen... je nachdem, in welcher Position er ist und mit wieviel Macht ausgestattet.

 


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